Arbeit und Bildung

Die ganze Welt deckt uns den Tisch

Nachdenklich stimmendes Referat von Wendy Peter-Hodel, Willisau, anlässlich der Generalversammlung des Katholischen Frauenbunds St. Gallen - Appenzell, der sich, zusammen mit seinem Dachverband, dem Schweizerischen Katholischen Frauenbund, in den nächsten drei Jahren mit dem Thema BROT ist LEBEN beschäftigen wird.
Die Biobäuerin mit verschiedenen Ausbildungen und Mutter von fünf Kindern, ist Mitglied des Schweizerischen FAO-Komitees und Beauftragte des Bundesamtes für Landwirtschaft bei der FAO in Rom. Ihre Informationen, unterstützt durch eindrückliches Bildmaterial, werden allen im Gedächtnis bleiben und sicher öfter zum Nachdenken anregen über das, was wir einkaufen und essen.


Wer hat gewusst, dass das feine Gemüse und die vielen Früchte aus der Region Andalusien in Spanien nicht einfach unter der spanischen Sonne wächst und reift, sondern unter 35'000 ha Plastik (diese Plastikwelt ist sogar vom Mond aus sichtbar), als Hors-Sol-Produktion. 80'000 Fremdarbeiter aus Nordafrika leben meistens ebenfalls unter diesen Plastikdächern, z.T. illegal und in Behausungen, die diesen Namen nicht verdienen.


Um schöne und gesunde Pflanzen züchten zu können, werden diese mit einem Cocktail aus verschiedensten Chemikalien behandelt, jede einzelne für sich knapp unter der Toleranzgrenze. Für die Bewässerung wird das Wasser heute bereits aus bis zu 1'500 m Tiefe gepumpt. Ein weiteres Problem sind die weiten Transportwege, verlassen doch täglich rund 1'000 Lastwagen mit ihrer Fracht die Region Richtung Norden. Einige der wichtigsten Abnehmerländer sind die Schweiz, Deutschland und England.


Neben diesem einen Beispiel gibt es unzählige andere, die ähnlich ablaufen. So ist zum Beispiel das Hungerland Indien der grösste Milchproduzent und auch Milchexporteur der Welt. Während dort im Jahre 2003 der Hunger so gross war, wie schon Jahrzehnte nicht mehr, waren die Getreide- und Reissilos des Landes übervoll und die Regierung verkaufte alles auf dem Weltmarkt und das zum halben Preis, wie es die Bauern produzierten.


Wendy Peter-Hodel zeigt in ihrem Referat auf, wohin der freie Welthandel führt. Wenn die Nahrungsmittelproduktion weltweit in Konkurrenz gesetzt wird, wird nur noch dort produziert, wo es am billigsten ist, wo soziale und ökologische Auflagen fehlen oder ignoriert werden, dies immer zum Schaden der einheimischen Bevölkerung. Die Produktion vieler Lebensmittelprodukte, die wir täglich verbrauchen, geht zu Lasten der Menschen der Länder des Südens. Deren Grundwasserreserven werden aufgebraucht, viel unverrottbarer Abfall wird zu-rückgelassen, Wasserreserven aufgebraucht oder sogar verkauft, kleinbäuerliche Strukturen, die die Selbstversorgung und ein kleines Einkommen garantierten, zerstört, Grundnahrungsmittel ganzer Regionen nur noch für den Export produziert usw.


Die Ausführungen der Referentin müssen nachdenklich stimmen und uns dazu anregen, zu überlegen, was wir wann kaufen. Wir haben es als Konsumentinnen in der Hand, vermehrt wieder regionale und saisonale Produkte zu kaufen. Wir haben sogar die Macht, Sachen zu boykottieren. Es braucht aber auch wieder mehr Selbstbeschränkung und Verzicht. Wir können etwas dagegen tun, dass der Hunger in der Welt zunimmt, was eine Folge von Liberalisierung und Globalisierung ist. Export und Import müssen sein, Entwicklungsländer müssen etwas verdienen können, jedoch nicht zu Lasten ihrer Bevölkerung. über das Jahresthema "BROT ist LEBEN" sind alle Frauen aufgerufen, sich mehr mit dieser Problematik auseinanderzusetzen.

 

Autorin/Autor

 

Vroni Zbinden
Publikationsdatum 30.05.2006
Verein ostschweizerinnen.ch · c/o Nelly Grubenmann · Tellen | Postfach 30· 9030 Abtwil · kontakt@ostschweizerinnen.ch