Politik und Gesellschaft

Mariko Mori

Normalerweise muss Kunst aus ehrfürchtiger Distanz betrachtet werden. In Museen herrscht kirchliche Stille. Unfolgsame werden von heulenden Alarmanlagen und diensteifrigem Personal gestellt. Anders bei der Japanerin Mariko Mori , die eben im Kunsthaus Bregenz zu sehen war. Bei Mariko Mori darf Kunst sinnlich erfahren werden.
Mariko Mori zählt zu den wichtigsten jungen Vertreterinnen zeitgenössischer Kunst. Aufgewachsen in Tokio, einer Stadt die sich rapid der westlichen Zivilisation angepasst hat, sind ihre Werke von östlicher und westlicher Kultur geprägt. Mariko Mori verknüpft japanische Tradition mit Kunstgeschichte aus aller Welt, so wie mit den wichtigsten Phänomenen unserer modernen Zeit.


Schon im Foyer des Kunsthauses Bregenz entführte Mariko Mori die BetrachterInnen in eine Fantasiewelt. Als einzige Skulptur in dem grossen Raum thronte das Wave Ufo Model aus Lithium auf einem Sockel. Das durchsichtige Objekt glitzerte und leuchtete. Die geheimnisvolle Form aus Fisch, Ufo und Embryo, mit einem Auge in der Mitte, strahlte eine unfassbare Anziehungskraft aus.


Einem Kindertraum entsprungen schienen auch die sechs Ausserirdischen in bläulicher Farbe. Kleingewachsen mit weit geöffneten Augen standen sie im Kreis, den BetrachterInnen entgegen und hielten sich an den Händen. Die Fremden sind so schön, dass man sie lieben muss! Niederkniend konnte frau/man die Männchen umarmen und liebkosen. Das Ohr auf die weiche Technogel- Brust gedrückt, spürte und hörte frau/man das Herz schlagen und die Augen des unbekannten Wesen leuchteten auf. Wurden die Sensoren aller sechs Männchen gleichzeitig berührt, erstrahlte die ganze Plastik.
Der Höhepunkt der Ausstellung bildete das High- Tech- Raumschiff. Das erst Mal wurde das Wunder an Perfektion der öffentlichkeit präsentiert.

Die metallisch, glatte Oberfläche schillerte und funkelte regenbogenfarben im Licht. Eine elegant geschwungen Treppe führte zur Luke des aerodynamischen Kunstwerks. Wie das Auge eines schlummernden Tiers öffnete und schloss sich die Luke. Im Innern konnten je drei Menschen sieben Minuten eine Reise zu ihrem Innern starten. Weiche Liegen aus Technogel schmiegten sich an die Körper. Die Luke schloss, ein vibrieren im Magen, ein beschleunigter Herzschlag und die Reise begann. Im Dämmerlicht wölbte sich die Kuppel. Die Aktivitäten der eigenen Hirnströme wurden durch eine Art Biofeedback interaktiv generiert und an die Kuppel projiziert (ca. 3 Min.). Mit Spannung und Entspannung konnte Einfluss auf die Bilder genommen werden. Das Prickeln im Magen wurde angenehm. Nach dieser Phase entführte eine Computeranimation in eine unbekannte Welt aus Lichtströmen und pulsierenden Nervenzellen. Die sieben Minuten verflossen viel zu schnell. Geborgen wie im Mutterleib wollte man ewig liegen bleiben.


Mariko Mori ist 1967in Tokio geboren und aufgewachsen. Sie lebt in Tokio und New York. Am Bunka Fashion College in Tokio studiert sie fashion design und arbeitet als Model. 1988 zieht sie nach London, sie wechselt von fashion design zu fin art an der Byam Shaw School of Art 1989 gewinnt sie einen Studienplatz am Chelsea College of Art und graduiert drei Jahre später. 1992 überquert sie den Atlantik und verpflichtet sich am Studienprogramm des Whithney Museum of American Art. 1993 beendet Mariko Mori ihre Studien. Mitte der 90er Jahre kommt sie zum internationalen Durchbruch. Sie arbeitet vor allem mit multimedialen Techniken.

 

Autorin/Autor

 

Olivia Ribaux
Publikationsdatum 31.03.2003
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