Politik und Gesellschaft

Kopieren - eine Herausforderung in Namibia

Lösungen findet man immer - Improvisation ist gefragtEva und Guido Poznicek-Graf leisten einen dreijährigen Einsatz mit INTERTEAM, einer Schweizer Organisation für Entwicklungszusammenarbeit. Sie bilden in der Kavango-Region ganz im Norden Namibias die Lehrkräfte einer Dorfschule mit 700 Kindern weiter.
Zu unseren Aufgaben hier in Bunya/Namibia zählt auch das Berichten über unsere Arbeit und über den Alltag. Dazu schreiben wir alle drei Monate einen Rundbrief, den wir an Verwandte und Interessierte schicken. Verfasst ist der sechsseitige Bericht jeweils relativ schnell, zu erzählen gibt es vieles. Der weitaus grössere Aufwand stellt das Kopieren, Verpacken, Adressieren und Frankieren der vielen Briefe dar.
Hoch moderne Kopier-Maschine

Diesmal aber scheint der Rundbrief weniger Arbeit zu bereiten: Die 250 Kuverts haben wir bereits im Voraus angeschrieben und frankiert, und kopieren können wir für einmal im Office des Schulinspektors, der uns grosszügig dazu eingeladen hat. Er hat eine hoch moderne Kopier-Maschine, die in kürzester Zeit Hunderte von Kopien ausspuckt. Vorbei sind also die Zeiten, wo wir noch den altersschwachen Kopierapparat auf der Mission bedienen mussten, freuen wir uns. Dort nämlich können jeweils höchstens 30 Kopien aufs Mal gemacht werden, dann muss er wieder für einige Stunden ruhen. Das bedeutete für uns, dass wir mehrmals täglich während einer ganzen Woche an die Maschine stehen mussten.
Toner leer

Am letzten Montag morgen vor unserer Abreise in die Weihnachtsferien mache ich mich also mit der Vorlage auf zum Inspektor, der zur Zeit in Windhoek weilt. Seine Putzfrau ist jedoch informiert und sie weiss auch, wie der Kopierapparat zu bedienen ist. Also legen wir das Papier ein und schon fliegen hinten die Blätter im Akkord heraus, in guter Qualität kopiert. Aber schon nach wenigen Dutzend Kopien ist der Toner leer. "No ink", meint die Putzfrau Schulter zuckend - und meine schlimmsten Befürchtungen werden wahr: Es ist kein Ersatz-Toner da. Dieser muss zuerst bestellt werden und kommt frühestens in einem Monat. Ich bleibe ruhig, so wie ich das in zahlreichen ähnlichen Situationen gelernt habe, und gehe am Nachmittag auf die Mission, um dort weiter zu kopieren - halt immer nur 30 Exemplare auf einmal. Das macht nichts, fahren wir doch erst in fünf Tagen in die Ferien. Die Zeit reicht locker.
Man wird flexibel

Aber schon am zweiten Tag, als gut die Hälfte aller Rundbriefe kopiert ist, leuchtet auch beim Kopierapparat der Mission das Lämpchen auf, welches anzeigt, dass der Toner leer ist. Und natürlich ist auch hier kein Ersatz vorhanden. Bestellt wird in der Regel erst, wenn etwas ausgegangen ist. An Lager ist höchst selten etwas vorhanden. Das beginnt beim Toner, geht über Lebensmittel und Schrauben bis hin zu Glühbirnen. Und Rundu, die nächste Stadt, ist 50 km weit entfernt. Der Toner jedoch ist gar erst in Otjiwarongo erhältlich, über 500 km südlich von Bunya.Wieder heisst es durchatmen und cool bleiben. Wir beschliessen, die Vorlage mit in die Ferien zu nehmen und dort nach einer Kopier-Möglichkeit zu suchen. Da wir aber nach Südafrika fahren und alle Kuverts schon frankiert sind, müssen neue Umschläge adressiert werden, um sie dann mit Südafrikanischen Briefmarken zu bekleben. Kein Problem. Man wird flexibel und findet - oft improvisiert - immer eine Lösung.


Weitere Informationen zum Projekt von Eva und Guido Poznicek-Graf im Norden Namibias: evaguido@iway.na


Spenden: PC-Konto 60-22054-2, Spendenvermerk: Lebenskosten Eva und Guido Poznicek-Graf in Namibia

 

Autorin/Autor

 

Eva Graf
Publikationsdatum 30.09.2003
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