Politik und Gesellschaft

Frauenleben heute: "Die Kinder brauchen auch ihre Väter"




Andrea Leuter (17), Elisabeth Baumgartner (17) und Daniela Furrer (18) wünschen sich Beruf, Kinder und vor allem eine gute Vereinbarkeit von beidem. Nur bei ein bis zwei von hundert Elternpaaren in der Schweiz teilen sich gegenwärtig Frau und Mann die Erwerbsarbeit, die Kinderbetreuung und die Hausarbeit ungefähr gleichmässig.
Das wird sich ändern, wenn es nach Elisabeth Baumgartner, Daniela Furrer und Andrea Leuter geht. Alle drei besuchen im Moment noch das Seminar in Kreuzlingen.
Traditionelle Rollenmodelle sind pass

"Ich kann mir schon vorstellen, dass die Männer stolz sind darüber, dass sie es sind, die das Geld verdienen und so die Familie ernähren. Aber ich glaube, viele Frauen wollen das so gar nicht", sinniert Andrea Leuter. Für sie und ihre Freudinnen steht fest, dass das Modell des Ehemannes und Vaters, der spät am Abend erschöpft von der Arbeit nach Hause kommt und deswegen auch seine Kinder nur selten sieht, längst der Vergangenheit angehört. Schließlich gehört zu dieser klassischen Rollenverteilung ja auch die Ehefrau und Mutter, die ihrem Mann jeden Wunsch von den Lippen abliest, den Großteil des Tages mit den Kindern und mit der Hausarbeit zubringt.


"Das könnte ich nicht haben, das wäre mir zu langweilig, immer zu Hause zu sein. Vermutlich gibt es schon viel Arbeit, wenn kleine Kinder zu versorgen sind. Aber ein Leben ohne genügend Kontakte nach draussen, das wäre nichts für mich", sagt Elisabeth Baumgartner und fügt hinzu: "Dann ist es ja auch noch so, dass zumindest früher die Frauen den Mann auch noch um das Haushaltsgeld bitten mussten. Für die Ausgaben, die sie getätigt haben, mussten sie ihm auch noch Rechenschaft ablegen." Der Blick in die Gesichter der drei jungen Frauen zeigt absolut unmissverständlich, dass diese Zeiten wohl auf ewig vorbei sind. "Früher haben die Frauen in einem etwas geschützteren Rahmen gelebt. Die Rollen waren klar verteilt, aber die Frauen konnten definitiv weniger selbstbestimmt leben", fügt Daniela Furrer nachdenklich hinzu.
Frauen haben es heute besser

So wie es jetzt ist, darin ist sich das muntere Trio einig, ist es besser für die Frauen. Erst einmal wollen die Seminaristinnen ihre Ausbildung beenden und danach auf jeden Fall einen Beruf ergreifen. Ebenso steht auf der gemeinsamen Agenda das Thema der Familiengründung, dies aber eben unter ihren, unter veränderten Vorzeichen. Ein Leben ausschließlich als Hausfrau und Mutter kommt für sie, auch da gehen die Ansichten der drei jungen Frauen in eins, keinesfalls in Betracht. "Es ist gut, dass die Frauen von heute ebenso das Recht zu arbeiten haben wie die Männer", meint Andrea Leuter. "Wenn beide Partner arbeiten gehen, verlangt das zwar eine gewisse Flexibilität ab. Diese tut aber auch den Kindern gut", ist sie überzeugt und trifft damit voll ins Schwarze.


Die egalitäre Rollenteilung mit Mami am Computer und Papi am Herd bewährt sich auf Dauer, und dies auch noch für alle Beteiligten. So lautet das Fazit einer jüngst veröffentlichten Studie, die vom Nationalen Forschungsprogramm 52 "Kindheit, Jugend und Generationenbeziehungen" gefördert wurde. 1994 waren insgesamt 28 Paare, die sich Erwerbsarbeit, Kindererziehung und Haushaltsarbeit partnerschaftlich teilten, erstmals über ihre Lebenssituation und ihre Zufriedenheit befragt worden. Zehn Jahre später gaben die Paare und ihre Kinder erneut Auskunft über ihre Lebensbedingungen und -erfahrungen. Die Kinder beschreiben ihre Väter als klug, humorvoll, unternehmungslustig und verständnisvoll. An den Müttern schätzt der Nachwuchs die häuslichen Kompetenzen, aber auch die fachlichen und die freizeitbezogenen Kompetenzen. Gerade für die Töchter sind die Mütter wichtige Ansprechpersonen, Beraterinnen und Vorbilder für die eigene künftige Lebensgestaltung.
Vieles ist möglich

Doch kehren wir zurück zu den drei Seminaristinnen: Wie stellen sie sich ihre Zukunft und hier wiederum konkret ihre Lebensgestaltung hinsichtlich der Vereinbarkeit von Familie und Beruf vor? "Vieles ist möglich", so könnte man ihre Pläne zusammenfassen. Solange die Kinder klein sind, ist die Rolle der Mutter und Hausfrau denkbar, meinen sie. Ganz grundsätzlich aber, so wird schnell klar, werden sie ihre Berufswünsche nicht auf den Sanktnimmerleinstag verschieben, geschweige denn ganz darauf verzichten. "Wenn ich mich dafür entscheide, einer Erwerbstätigkeit nachzugehen, auch wenn Kinder da sind, dann mache ich das auch", hält Andrea Leuter fest. Elisabeth Baumgartner kann sich durchaus mit dem Modell des Vaters als Hausmann anfreunden und auch Daniela Furrer traut den Männern einiges zu: "Ich denke schon, dass die Männer von morgen zum Tausch der Rollen und zu Absprachen bereit sind. Die werden das vermutlich mitmachen - sie können ja auch gar nicht anders", lächelt sie.


übrigens: Das stärkere der Geschlechter ist in den Augen der drei jungen Frauen zudem nicht nur hervorragend in der Lage, Kinder perfekt zu versorgen und zu erziehen, sondern dabei auch noch unverzichtbar. Eine intensive Vater-Kind-Beziehung, davon sind die Seminaristinnen überzeugt, tut den Kleinen gut und stärkt sie. Auch dies ist ein weiteres Fazit der genannten Langzeitstudie.

 

Autorin/Autor

 

Eva Grundl
Publikationsdatum 31.12.2005
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