Vernetzung
| ostschweizerinnen.ch ist vom Forschungsprojekt CNO-Research 2003 als innovatives Internetprojekt ausgewählt und beschrieben worden. Ein Interview mit Nicole Scheidegger, der Leiterin des Forschungsprojekts CNO-Research: über das Innovative an ostschweizerinnen.ch, die Schwächen des Projektes und ihre Meinung zu Internet-Frauenprojekten. | |
Nicole Scheidegger, was ist CNO-Research?CNO-Research[1] ist ein Forschungsprojekt, das seit drei Jahren innovative Informatik-Projekte zur Vernetzung in und zwischen Unternehmen dokumentiert. Untersuchungsthema im Jahr 2003 ist die Wirtschaftlichkeit von E-Business. Die Erkenntnisse aus den Fallstudien werden mit einer quantitativen Befragung und einer Delphi-Studie ergänzt, um ein Bild zu erhalten, wie der Stand der E-Business-Nutzung in der Schweiz ist. Dieses Jahr wird die quantitative Studie mit E-Business-Consultants[2]und die Delphi-Studie mit Marketing- und InformatikleiterInnen durchgeführt. Sie bewerten die Bedeutung des E-Business für Unternehmen. Das tönt alles etwas technisch. Welches sind die Kriterien, um bei CNO-Research aufgenommen zu werden? Was zeichnet CNO-Projekte aus?Es werden innovative Projekte dokumentiert, die wirtschaftlich sinnvoll sind. Wirtschaftlich sinnvoll heisst, es ergeben sich Kosten-, Zeit und/oder Qualitätsvorteile. Die Projekte werden uns einerseits von Anbietern von E-Business-Lösungen zur Beurteilung vermittelt. Bei der Fallstudie von ostschweizerinnen.ch war es Boxalino[3], die uns mit der Dokumentation dieses Projekts beauftragt hat. Andererseits stossen wir selber auf innovative Projekte, die wir dokumentieren. Wir prüfen die vorgeschlagenen Projekte aus neutraler Sicht und unser Vorgehen ist wissenschaftlich. Warum wurde ostschweizerinnen.ch in CNO-Research aufgenommen?Weil es ein innovatives Projekt ist: Innovativ daran ist die virtuelle Redaktion. Vergleicht man mit einer traditionellen Redaktion, kann so sehr viel kostengünstiger ein Magazin produziert werden. Jede Frau arbeitet von zu Hause an ihrem PC, eine reale Redaktion mit Büroräumen etc. gibt es nicht. Auch die Koordinationskosten können reduziert werden. Durch die dezentrale Organisationsstruktur lässt sich die Themenvielfalt und die Aktualität trotzdem hochhalten. Was heisst kostengünstig? Meinen sie damit das Kriterium "wirtschaftlich Sinn machen“?Ostschweizerinnen.ch gewinnt durch die virtuelle Plattform sowohl Zeit- als auch Qualitäts- und Kostenvorteile. Es ist dank der virtuellen Redaktion von ostschweizerinnen.ch möglich, mit einem Bruchteil der sonst üblichen Kosten ein Magazin zu machen; dieses kann dezentral von verschiedenen Personen eingespeist und aktualisiert werden, was auch die Vielfalt der Beiträge gewährleistet. Der hierarchische Aufbau der Redaktion und die standardisierten Abläufe (Workflows) sichern die Qualität der Beiträge. Und wo orten sie die Schwächen von ostschweizerinnen.ch?Bei der Finanzierung. Ich meine damit, dass es heute nicht einfach ist, Sponsoren für derartige Projekte zu finden. Die regionale Ausrichtung auf die Ostschweiz und auf Frauen macht es auch nicht einfacher. Es fällt auf, dass Sie sich in der Studie praktisch ausschliesslich zur technischen Lösung und den Abläufen äussern. Hinter der virtuellen Redaktion stehen aber konkrete Frauen. Wie wird dem Rechnung getragen?E-Business steht immer an der Schnittstelle zwischen Menschen, Technik und Organisation. Mit der vorliegenden Fallstudie haben wir den Fokus auf die Organisation und die dahinter stehende Technologie gelegt. Es ist aber klar, dass Menschen und viel Arbeit dahinter stehen, konkret das Redaktionsteam und unzählige Autorinnen, aber auch das Projektteam. Es wäre sicher auch interessant, ein solches Projekt unter dem Gesichtspunkt "Mensch und zwischenmenschliche Beziehungen“ zu untersuchen. Ist die technische Lösung von ostschweizerinnen.ch ein Modell für andere Online-Venetzungs-Magazine? Es können auch Haus-, Mitarbeiter/-innen, Verbandszeitungen oder sonstige Magazine so hergestellt werden. Diese Art der Zusammenarbeit in einer Redaktion ist zukunftsweisend. Um auf dem Markt der Magazine und Zeitschriften wettbewerbsfähig zu bleiben, ist auch bei den traditionellen Zeitungen eine solche virtuelle Zusammenarbeit der Autorinnen und Redaktorinnen sicherlich von Vorteil. Welche anderen Projekte wurden 2003 in die CNO-Studie aufgenommen?Direktverkauf von Reisen über das Internet bei der railtour suisse sa, Spender/-innen gewinnen mit Onlinekampagnen bei der Caritas, die Vernetzung des Gesundheitswesens durch die Suva, die Hochzeitswunschlisten von Jelmoli, das Intranet von sunrise, das Online-Spiel Budgetgame für Schüler/-innen von PostFinance (siehe www.pascal-sieber.ch/cgi/research/cno/p-partner/index.asp). Sind das v.a. Projekte von und für Männer?Nein, das würde ich nicht sagen. Tatsache ist, dass an den Interviews zu den 19 Fallstudien dieses Jahr 9 Frauen als Gesprächspartnerinnen teilgenommen waren. Aber als Vernetzungsplattform ausschliesslich für Frauen ist ostschweizerinnen.ch das einzige Projekt. Haben Sie noch weitere Bemerkungen?Die Plattform ermöglicht es den Ostschweizerinnen, sich über Zeit- und Raumbarrieren hinwegzusetzen und sich zu vernetzen, sowohl auf der Seite der Autorinnen als auch auf der Seite der Besucherinnen. _____________________________________________ [1]CNO (Chief Net Officer): Damit wird die Funktion des Verantwortlichen für ICT-Investitionen bezeichnet (ICT steht für Informations- und Kommunikationstechnologie). [2]Interne und externe Berater/-innen [3]ostschweizerinnen.ch basiert auf einer mySQL-Datenbank, die unter Zuhilfenahme eines modular aufgebauten Content Management Systems (CMS) der Firma Boxalino AG programmiert wurde. Für die Entwicklung (Konzept und HTML-Programmierung) ist Lisa Jans-Landner verantwortlich, für die Datenbank-Programmierung und das CMS Boxalino |
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Autorin/Autor |
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| Publikationsdatum | 26.11.2003 |