Vernetzung
| Die nächste Frauen-Vernetzungs-Werkstatt findet am 15. März 2008 statt, so verkünden es die Tagungsmappen. Ein Jahr Zeit also, um den Jubiläumskongress vom Jahre 2007 auf sich wirken zu lassen. Dieser fand am 24. März an der Universität St. Gallen statt und wartete mit hochkarätigen Referentinnen, der Würdigung der Verdienste engagierter Frauen und mit zukunftsweisenden Themen auf. | |
Unter einem Zwischenhalt pflegt man für gewöhnlich eine Art kleiner Verschnaufpause zu verstehen. Man hält inne, um sich etwas zu erholen, um Kräfte für Bevorstehendes zu sammeln. Für die 700 Frauen der diesjährigen 10. FrauenVernetzungsWerkstatt lag allenfalls ein kurzes Durchatmen drin, hatten doch die Veranstalterinnen ein Programm auf die Beine gestellt, das im besten Sinne atemberaubend und damit ein Spiegel dessen war, was Alice Schwarzer, die Abschlussrednerin des Kongresses, so formulierte: "Wir sind in Bezug auf die Menschheitsgeschichte mit Siebenmeilenstiefeln vorangerast." Der Blick in die Zukunft, der Blick zurück"Früher galt der Slogan 'Kinder, Küche, Kirche' - angeblich von Kaiser Wilhelm II geprägt. Mein Slogan heisst heute: Power, Punch und Papi hütet - zu Hause!", so Bundesrätin Doris Leuthard in ihrer viel beachteten Ansprache. Gebraucht würden heute mehr Frauen in der Politik, in der Wirtschaft und Wissenschaft und mehr Männer in der Kinderbetreuung, beim Kochen und an der Waschmaschine. Stolz sei angebracht auf das Zusammenwirken von Frauen in Netzwerken. "Dazu gehört aber auch Dankbarkeit gegenüber jenen Generationen von Frauen, die grosse Pionierarbeit geleistet haben in einer Zeit, in der der Kampf für Frauenrechte zu gesellschaftlicher ächtung geführt hat", führte in ihrem Grußwort die St. Galler Regierungsrätin Kathrin Hilber aus. Beide Rednerinnen forderten zudem die Solidarität mit den Frauen weltweit ein. Würdigung der Verdienste von Frauen für FrauenWeitere Höhepunkte des Kongresses stellten die Ehrungen der St. Galler Regierungsrätin Karin Keller-Sutter und von Erika Bigler als Initiantin der Ostschweizer Frauenvernetzung dar. Unter der Führung von Polizeidirektorin Karin Keller-Sutter beschritt der Kanton St. Gallen im Jahr 2003 Neuland, indem er die gesetzliche Möglichkeit schaffte, bei häuslicher Gewalt eine Wegweisung sowie ein Rückkehrverbot durch die Polizei anzuordnen. "Die politische Umsetzung war kein Sonntagsspaziergang, sondern erforderte ein hohes Mass an Einsatz und Durchhaltewillen", sagte Julia Onken bei der Ehrung. Sie attestierte der Polizeidirektorin eine klare Haltung, mit welcher diese die Grundrechte für Frauen als Selbstverständlichkeit einforderte. Erika Bigler, die Begründerin der FrauenVernetzungsWerkstatt, des Online-Magazins ostschweizerinnen.ch und des gleichermassen jungen wie bereits überaus erfolgreichen Mentoringpools, wurde von Jolanda Spirig für ihr herausragendes Schaffen gewürdigt. "Du hast ein untrügliches Gespür für Themen, Du spürst, was in der Luft liegt und nimmst es auf. Hinzu kommen Führungsqualitäten und strategische Kompetenz", so Jolanda Spirig in ihrer Laudatio. Zu lernen seien von Erika Bigler, die 1998 mit einem Organisationsteam die FrauenVernetzungsWerkstatt ins Leben gerufen hat, Motivation, Durchhaltevermögen und auch, die Freude am Erreichten weiterzugeben. Die Bilanz von Alice SchwarzerAlice Schwarzer zog eine positive Bilanz dessen, was die Frauenbewegung erreicht hat. Dazu gehört für die EMMA-Herausgeberin beispielsweise die Sensibilisierung beim Thema Gewalt gegen Frauen. Es sei allerdings falsch, dabei von einer individuellen Angelegenheit zu sprechen: "Dies ist ein strukturelles Problem. Keine Herrschaft ist ohne Gewalt möglich, diese ist der dunkle Kern jeder Herrschaft." Anlass zur Sorge gibt indes das epidemische Ausmass des Diätwahnes, der zur Sucht Nummer 1 in der westlichen Welt geworden sei, so Schwarzer. Eindringlich warnte sie vor den Gefahren des Islamismus. Diesen bezeichnete Alice Schwarzer als den Faschismus des 21. Jahrhunderts, dem als erste die Frauen zum Opfer fielen. Weitere Berichte zum Jubiläumskongress folgen. |
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Autorin/Autor |
Eva Grundl |
| Publikationsdatum | 27.03.2007 |