Wohlbefinden

Herbstzeichen - Zeit der übergänge

22. September 2005: Tag- und Nachtgleiche, die Sonne tritt ins Zeichen Waage. Zwei Seiten schwingen sich ins Gleichgewicht: Wärme und Kühle, Licht und Schatten, Klarheit und Nebel, Aussenwendungund Innenkehr, Aussenwelten und Innenwelten.


Welche Seite überwiegt auf der Waage der Zeiten? Wo und wie findet ein übergangstatt?
Waage und Skorpion: Das Tor nach innen

Es war auf einer Bergwanderung im Alpstein. Ich war schon früh unterwegs an diesem Morgen. Die Nachtnebel hatten sich langsam in der Sonne aufgelöst und einer dieser klaren schönen Herbsttage brach an. Weiss strahlten die Berge am Horizont, zum Greifen nah. Unterwegs zwischen der Mesmerhütte und dem Blauschnee wurde ich mitten am Tag plötzlich vom Nebel erfasst. Eben noch war die Welt hell und glänzend, dann auf einmal grau, feucht, trüb. Der Nebel wurde so dicht, dass ich den Pfad nicht mehr erkennen konnte. Unwillkürlich musste ich mein Tempo bremsen und innehalten. So schnell kann die Welt sich wandeln, manchmal unerwartet! Habt ihr das auch schon erlebt? Derselbe Ort, aber die Welt kehrt sich um. - Der Nebel bewirkte, dass ich jede Orientierung im Aussen verlor. Keine Anhaltspunkte mehr draussen. Die weisse Dichte warf mich völlig auf mich selber zurück. Meine Wahrnehmung wurde sehr wach und horchte nach innen: Was rät mir jetzt die innere Stimme? Weitergehen? Stille stehen? Warten?


Nebel ist ein Zauberelement. Nebel ist magisch. In Märchen und Sagen ist er das Tor zur anderen Seite, das Verbindungsmedium zu den anderen Welten. Nebel ist Wasser in der Luft. Die Herbstzeichen Waage (=Luft) und Skorpion (=Wasser) fliessen ineinander über. Das Luftzeichen Waage ist ein Zeichen der Zwischenräume, in welchen jetzt so viel geschieht! Waage ist das himmlische Vulva-Tor, das zum grossen Wasser führt, so wie im westlichen Abendhimmel die Sonne sich in den Schoss des Meeres senkt. Früher gehörten die Waagesterne noch zum Zeichen Skorpion. Erst in der Kultur des Alten Sumer um 2300 v. Chr. wurde das Zeichen aufgeteilt in zwei. Immer noch verbindet die beiden eine tiefe Verwandtschaft.
Patriarchale Luft

In der gängigen patriarchalen Astrologie wird das Element Luft immer noch als "männlich definiert: Geist und Verstand, das rationale Denken, der mentale Vernunftraum. Erstaunlich, was da alles mit einander vermengt wurde! Seit wann sind Gedanken automatisch vernünftig? Und was hat der Geist mit dem Verstand zu tun? Die Luft wurde einseitig kopflastig. Vergessen ging die geflügelte Göttin der Alten Zeiten in ihrer Vielgestaltigkeit: Maat, Isis, Lilith und Athene mit ihren Eulen, Aphrodite und Maria mit der Taube. Sie, deren Zeichen die Feder war, Herrin der Gerechtigkeit und Wahrheit, sie war die Königin des Elementes Luft. Federn waren zu allen Zeiten Zeichen der Verbundenheit mit Ihr, der Geflügelten der Nächte. Federn trugen die Schamaninnen und Medizinmänner aller Völker. Sie zeugten stets von ihrer Beziehung zu den Geistigen Welten.
Augen für's Innere

Es ist übrigens immer wieder interessant, die Verbundenheit eines astrologischen Zeichens mit seinem gegenüberliegenden Zeichen zu entdecken. Der Waage gegenüber liegt der feurige Widder. Sein Symbol ist schon seit Urzeiten überliefert und lässt sich als "Augenvogel sehen, insbesondere als Eulengesicht. Die Eulen als Nachtvögel sehen in der Dunkelheit. Ihre runden Augen werden oft sonnenartig dargestellt, Feuersonnen. Eulen sind Symboltiere für hellsehende Fähigkeiten. Es ist das innere Licht, das die Nacht-Welten erleuchtet. Denn die Nacht ist nur dunkel für die äusseren solaren Augen, und wer innerlich sieht, hat Augen für das Licht im Dunkel.
Die verlorene Nacht

Wir Heutigen Rationalen haben den Bezug zur Nacht und ihren spirituellen Dimensionen verloren. Wir leben in künstlichen Lichtwelten, wo der Zauber der Sterne keinen Platz mehr hat. In der kunstlichtverschmutzten Schweiz müssen wir froh sein, überhaupt noch ein Plätzchen zu finden, wo wir genügend Nachtdunkel finden, um noch etwas sehen zu können vom Sternenhimmel. So sind wir auch tief verunsichert, wenn uns in Herbstzeiten mal der Nebel packt oder die früh einbrechende Dunkelheit. Wenn aussen einfach nichts mehr zu sehen ist! Leicht verliere ich dabei mein Gleichgewicht (=Waage). Und wie steht es mit der Welt meiner Gedanken (=Luft)? Was tun meine Gedanken, wenn ich so plötzlich die Aussenorientierung verliere? Ist der Nebel innen oder aussen? Und wohin komme ich, wenn ich durch den Nebel gehe? Wohin führt mich der übergang?


Teil II

 

Autorin/Autor

 

Patricia Ertl
Publikationsdatum 05.10.2005
Verein ostschweizerinnen.ch · c/o Nelly Grubenmann · Tellen | Postfach 30· 9030 Abtwil · kontakt@ostschweizerinnen.ch