Augenblicke im Leben von sieben Künstlern

18:09:2013

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Berta Balzli, Acryl auf Papier.
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Cornelia Keller, Ölstift auf Papier.

Am Sonntag, 22. September um 15 Uhr im Museum im Lagerhaus

ist wieder KKK Kunst Kaffee-Kuchen mit Künstlergesprächen angesagt. Thema: Wie verhält es sich beim Portrait? Was erblicken wir in den Gesichtern, sehen wir den Anderen oder immer nur uns selbst? Gespräch mit den Künstlern Hans Weder, Herisau, Manuel Müller, Lausanne und Adrian Hossli, Giswil.

„Augenblicke“, so nennt sich die aktuelle Ausstellung im Museum im Lagerhaus an der Davidstrasse 44 in St. Gallen, die noch bis zum 17. November 2013 zu sehen ist.

 

Elke Baliarda

 

Augenblicke sind kleine Zeitmasseinheiten, die viel bedeuten können, kostbar, entscheidend sind. Oder wie Goethe sagte: „Jeder Zustand, ja jeder Augenblick ist von unendlichem Wert, denn er ist der Repräsentant einer ganzen Ewigkeit“. Und das Auge, kostbares Gut der Schöpfung, gilt als Spiegelbild der Seele. Eben dieses Spiegelbild des Gegenübers haben die sieben ausstellenden Künstler in ihren Werken eingefangen.

 

 

Die Augenblicke auf der Einladungskarte zur Ausstellung, wurden von Hans Weder (1953) festgehalten. Das menschliche Antlitz, sein Anliegen und gleichzeitig sein Hauptmotiv, scheint mit wenigen Strichen hingeworfen.

Der Bildhauer Walter Casanova (1918 -1999) gilt in Sachen Malerei als Aussenseiter. Hunderte von Gesichtern brachte er auf jegliches zur Verfügung stehende Material, das dann meistens beidseitig bemalt. Seine Malereien sollten nach eigenen Aussagen vernichtet werden. Aber sein Künstlerkollege Adrian Hossli entsprach diesem Wunsche nicht. Und so sind Hunderte von Werken erhalten geblieben, wovon ein grosser Teil in der Ausstellung zu sehen ist.

 

Manuel Müller (1955) ein Grenzgänger zwischen Outsider Art und Professionalität, ist ganz der menschlichen Figur verhaftet. Ihn treibt das Wechselspiel vom Ich zum Du, vor allem das mediale Zusammenspiel von Skulptur und Zeichnung.

Otto Gillis immenses Werk umfasst vor allem nervöse Tuschzeichnungen sowie Fingermalereien, oftmals Menschen in bedrängter Menge. Ende der 1990er Jahre entsteht eine Serie von Bildnissen in Aquarell und Acryl mit Titeln wie „Ich“, „Selbst“, „Angst“.

 

Seit zehn Jahren malt Stefan Gruber (1972) intensiv, nachdem er in der psychiatrischen Klinik positive Resonanz auf seine ersten Bilder bekam. Malen bedeutet für ihn „Flucht“. Gesichter sind stets sein Thema. Gesichter? Weil sie „das Leben widerspiegeln“.

 

 

Unter den ausstellenden Künstlern befinden sich auch zwei Frauen, die gemäss der Ostschweizerinnen Idee ein bisschen mehr Raum erhalten sollen

In schnell umrissenen Gesichtern, die sie als „Ausbrüche“ bezeichnet, zeigt Cornelia Keller meist Selbstportraits.

Die gelernte Grafikerin mit einem Beruf begleitenden Architekturstudium in Luzern sieht sich im freien Zeichnen als Autodidaktin, Ihre emotionalen Blätter entstehen spontan und unüberlegt. Hier brechen sich heftige Gefühle Bahn und suchen nach einem Ausdruck, nach einer Bildfindung. Der gern verwendete breite Ölstift hinterlässt Fettspuren, die den geführten Strich wie einen Schatten begleiten.

 

 

Berta Balzli (1920 -2010) stammt aus einer Kleinbauernfamilie im Kappelisacker in Ittingen bei Bern. Nach Absolvierung der Bäuerinnenschule heiratet sie einen Bauernsohn, der gerne Pfarrer geworden wäre. Trotz harter Arbeit muss sich die Familie schmal durchschlagen. Aber Berta war eine Kämpfernatur und brachte ihre Töchter nach dem frühen Tod ihres Mannes durch. Erst mit fast 60 Jahren beginnt sie zu malen. Ob dies wohl die Folge eines Malkurses in Bern war, zu dem sie ihre Tochter Margrit angemeldet hatte.

Der Kursleiter erkannte Berta Balzlis Talent und förderte sie. „Ätherische Frauenfiguren stehen bei ihr im Zentrum, meist traumhaft in einen nicht bestimmtem Raum gesetzt“, heisst es auf der Einladungskarte zur St. Galler Ausstellung. Und eines ihrer Bilder wurde denn auch für das offizielle Plakat ausgewählt.

 

Beim Betrachten ihrer Arbeiten sind es nicht nur die Augen sondern auch die Haare der jeweiligen Figuren, die ganz speziell ansprechen 19 Exponate, zehn Bilder und neun Skizzen geben einen feinen Überblick über Berta Balzlis Werk. Die Künstlerin malte hauptsächlich in Acyl auf Papier und dieses Papier war immer von gleicher Qualität. Das ganze Ensemble, das jetzt in der Gemeinschaftsausstellung präsentiert wird, machte Berta Balzils Tochter Margrit dem Museum im Lagerhaus zum Geschenk.


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