Männer sind anders, Frauen auch – und besonders beim Netzwerken

20:03:2013

FrauenVernetzungsWerkstatt 2013

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Das Publikum der FVW war wiederum bunt und zahlreich.
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Auch die zwei jüngsten Teilnehmerinnen lauschten mit Spannung den Referaten.

FrauenVernetzungsWerkstatt


Erfolgreiche Unternehmen beweisen, dass der Einbezug von Frauen und deren Sichtweisen die Entscheidungsqualität verbessern. Die Oekonominnen Sita Mazumder und Barbara Rigassi referierten anlässlich der FrauenVernetzungsWerkstatt über das Networking, während die Psychologin Maria Hof-Glatz die Machtverhalten von Männlein und Weiblein aufzeigte und aufrief, den hierarchischen Code zu knacken.

Die Slam-Poetin Lara Stoll sorgte für wortgewandte Intermezzi, und die TV-Moderatorin Mona Vetsch behielt den roten Faden in der Hand und leitete gekonnt von einer zu anderen Referentin über. Inspirierende Marktplatz-Angebote zogen das FVW-Publikum in den Bann, boten Schauplätze fürs Netzwerken und für den Visitenkartentausch. Es war eine FVW wieder von jenem Profil, wie es im Buche steht…

Was haben die Männer den Frauen voraus? Das Netzwerken. Sie tun es mit Leidenschaft, Lust und Strategie – und sie betrachten es als Freizeit und Hobby. Frauen netzwerken anders. Sie suchen sich ihr Gegenüber kritisch aus, vermeiden den Smalltalk und netzwerken meist nur, wo es Freude macht. Doch Netzwerke verhelfen Frauen an die Macht.

 

Cornelia Forrer

 

„Wenn es um berufliches Networking geht, unterscheiden sich Männer und Frauen vermeintlich“, betont die Professorin, Unternehmerin, Verwaltungsrätin und Kolumnistin Sita Mazumder und zeigt dem Publikum die Hürden auf, die meist auch selbstgeschaffen sind. Warum zum Beispiel haben Frauen nur solche Mühe mit dem Netzwerken, sobald sie sich in einer Männerdomäne bewegen? Während der Mann den Smalltalk zwar ebenfalls nicht liebt, ihn aber trotzdem pflegt, ist sich die Frau oft zu schade dafür. Die Visitenkärtchen lässt sie zu Hause, so sie denn überhaupt welche hat, die Business-Essen mit ungeliebten Partnern meidet sie. „Ein Mann meidet sie zwar auch, er denkt sich aber, dass es ihm vielleicht was bringt und wenn nicht, hätte er immerhin gegessen“, so Mazumder. „Und essen muss man(n) sowieso.“

 

Frauen und Männer agieren anders. Es gibt kein „Schlechter“ oder „Besser“, nur ein „Anders“. Studien zeigen, dass sich Männer strategischer vernetzen, auch für die Karriere. Kann es daran liegen, dass Männernetzwerke schon geschichtlich verankert sind und seit Jahrhunderten gelebt werden, während Frauennetzwerke meistens privater Natur waren? Männer gehen offener auf unbekannte Personen zu und sammeln schneller Visitenkarten. Mazumder sammelt sie, schreibt sie an und teilt sie dann in drei Gruppen auf: die eine ist wichtig, die andere hat Potenzial und die dritte darf weggeworfen werden. Smalltalk, nur um die Visitenkarte abzugeben, tut niemandem weh und kann beruflich nützen. Es gilt, sich zu exponieren, Unbekannte anzusprechen, strategisch zu kommunizieren und Kontakte zu schaffen und zu pflegen. „It’s not what you know, it’s who you know“, lautet der Schlachtplan und Aufruf einer der bekanntesten und erfolgreichsten Wirtschaftsfrauen der Schweiz.

 

Die Leichtigkeit des Netzwerkens

„Studien beweisen, dass der Einbezug von Frauen in Aufsichtsgremien die Entscheidungsqualität deutlich verbessert“, sagt Unternehmensberaterin Barbara Rigassi, die mit ihrer Organisation „GetDiversity“ Frauen in hohe Gremien zu platzieren versucht – mit grossem Erfolg übrigens. 50 Mandate wurden von GetDiversity bearbeitet und schon 36 Besetzungen erreicht. „Wir bleiben am Ball“, so Rigassi. „Wir lassen uns nicht so schnell abfertigen“. Die Quote hält sie für ein Mittel, den Frauenanteil zu steigern, die Besetzung börsenkodierter Mandate sei aber in Norwegen trotz Quote nicht gestiegen, obwohl sich 70 Frauen 200 Verwaltungsratsmandate teilten.

 

Ein besserer Weg sei es, die oft „unsichtbaren“ Frauen zu finden, Machtträgern vorzustellen und den Markt zu bearbeiten. Viele erfolgreiche Frauen wechseln nach einiger Zeit ihr Metier, machen sich selbständig – und werden dann unsichtbar und mit der Zeit vergessen. Das Netzwerk kann dem Abhilfe schaffen. Frauen ziehen Frauen an. Es sei darum wichtig, dass sich Frauen dem Wettbewerb stellten, was aber auch bedeute, allfällige Niederlagen einzustecken. „Immerhin ist man dann fürs nächste Mal bekannt und hat bessere Karten“. „Frauen verfügen oft nicht im richtigen Moment über die notwendigen Netzwerke“, erklärt die Wirtschaftsfrau weiter, denn berufliche Netzwerke seien meist an Funktionen gebunden. Oft fehle aber Frauen auch die Leichtigkeit des Netzwerkens. Frauen ordnen das Netzwerken auch gern der Arbeitszeit zu, während Männer es als Freizeit betreiben.


Kein Machen, ohne Macht

„Ohne Macht ist nichts zu machen“, ist Psychologin und Autorin Maria Hof-Glatz überzeugt. Es gelte aber, den hierarchischen Kodex zu verstehen. Dabei geht es um Konkurrenz und Macht. Jeder ist mit jedem im Wettbewerb. Es gibt Rituale, die verbinden, die Zugehörigkeit anzeigen und schützen. Fehler schliessen Menschen aus. „Der Machtinhaber wird nicht kritisiert und nicht angegriffen“, so Hof-Glatz. Unangenehme Wahrheiten werden angepasst und weiter gegeben. Man(n) nennt es Diplomatie. Auch Kollegen werden nur indirekt durch Andeuteungen und Vieldeutigkeiten kritisiert. Der Kommunikations-Code ist indirekt. Man  hält sich bedeckt, bleibt nach allen Seiten offen und legt sich nicht voreilig fest.

 

Männer müssen Win-Win-Strategien trainieren. Frauen brauchen ein Training für ihr Durchsetzungsvermögen. „Bin ich in der Macht- oder Ohnmachtsposition?“, muss definiert werden. Ohnmachtssituationen können zu den eigenen Gunsten gedreht werden, wenn frau sich an die Regeln hält. Immer noch gelten aber für Frauen dieselben Voraussetzungen wie für die Männer. Es gilt, die eigene Machtkompetenz zu entwickeln, Machtquellen zu erkennen, zu pflegen und zu nutzen. Frauen brauchen Netzwerke, um sich zu positionieren und sich durchzusetzen. „Wer aus der eigenen Komfortzone herausgeht, muss Angriffe aushalten, fordern, sich durchsetzen und abgrenzen“, sagt die Psychologin. Nach oben komme nur, wer durchgelassen werde. Wenn die Frau spürt, dass ihre Organisation ihr keine reale Chance lässt, weiterzukommen, sich ihrer Karriereansprüche nicht aufgeschlossen zeige und auf die familienorientierten Bedürfnisse nicht eingehen wolle, verschwende die Frau nur ihre wertvolle Zeit und Energie.


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