Gollapalli und Paluru LOVE Wil SG

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Irene Würmli Büchi, Thomas Bühler und Angela Pecora Schäppi informierten über den Stand der Aktion.
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Das Interesse am Projekt und den geleisteten Arbeiten war enorm.
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Farbenfrohe Häuser sind in Gollapalli und Paluru entstanden.

Wil baut Gollapalli und Paluru

Die Aktion "Wil baut Gollapalli und Paluru" wurde unter dem Patronat der Stadt Wil durchgeführt. Es wurden in Zusammenarbeit mit der VRO (Village Reconstruction Organisation), einer aussergewöhnlichen Bewegung im Sinne von Mahatma Gandhi, zwei Dörfer in Südindien errichtet. Ziel war es aber, nicht bloss, Wohnmöglichkeiten zu erstellen, sondern die Dorfgemeinschaft zu bilden und fördern, Kulturen zu pflegen, Arbeitsmöglichkeiten zu schaffen und demokratische Prozesse anzuregen. Dies ist letztlich Frauen- und Mädchenförderung in Reinkultur, wie sich herausstellte.

Kontakt in Wil: Angela Pecora Schäppi, Feldeggstrasse 12, 9500 Wil
Bankkonto Raiffeisenbank Wil und Umgebung, 9500 Wil 80867.44 BLZ 81320

Kerngruppe Wil:
Angehrn Verena, Ash Ruth, Kuster Christel, Pecora Schäppi Angela, Rüegsegger Theres, Thomas Bühler und Reinjgouth Eric

Vieles ist in den letzten Monaten in Gollapalli und Paluru entstanden: Nicht nur die Häuser wurden gebaut und eingeweiht, sondern gleichzeitig auch Gemeinschaftsprozesse innerhalb des dörflichen Zusammenlebens gefördert. Thomas Bühler, Angela Pecora Schäppi und Irene Würmli Büchi, die drei Mitglieder der Kerngruppe, berichteten vor einigen Tagen in der Mensa Lindenhof in Wil davon.

 

Cornelia Forrer

23:11:2008

 

Den Berichten der drei Kerngruppenmitglieder Thomas Bühler, Angela Pecora Schäppi und Irene Würmli ging ein indisches Essen in der Mensa des Schulhauses Lindenhof voraus, das von einem grossen Publikum genossen wurde. Gespannt war man aber insbesondere auch über die Berichte zu den Dörfern, die unter dem Patronat der Stadt Wil in Südindien entstanden sind.

Die Eigenverantwortung wurde gefördert
Und es lohnte sich, die neusten Nachrichten anzuhören, denn es ist mehr entstanden, als man sich hätte träumen können. So ist es nicht die VRO (Village Reconstruction Organisation), welche die Dörfer auswählt; es sind vielmehr die Dörfer, die sich bei ihr bewerben und durch grosse Eigeninitiative und mit Eigenverantwortung einen gemeinschaftlichen Prozess im Gang setzen müssen, um ihr Dorf zu bekommen.

Ein Dorfrat wurde demnach in beiden Dörfern gewählt, einer der sich aus einem Alten-, einem Frauen-, einem Männerrat und jugendlichen Räten zusammensetzt. "Wer weiss, wie es bei uns ausssehen würde, wenn unsere Räte auch so zusammengesetzt wären?", bemerkte Thomas Bühler, der konkret über die Dörfer informierte. Das sei Demokratie in Reinform.

Die Mitglieder der Dorfräte werden von VRO-Personen ausgebildet, damit ihnen das Wissen vermittelt werden kann, die Dorfbewohnenden zur Mitwirkung an allen Aktivitäten zu mobilisieren und die Gemeinschaft untereinander fördern zu können. Auch Frauenselbsthilfegruppen sind entstanden und werden ebenfalls betreut und geschult.

Viel Überzeugungsarbeit wurde geleistet
Die Kinder gehen in die Schule, was zu Beginn viel Überzeugungsarbeit bei den Eltern benötigte. Nun aber stehe man hinter dieser Massnahme und sei sehr an der Bildung des Nachwuchses, zugunsten eines wirtschaftlichen Weiterkommens interessiert. Gelernt werden zum jetzigen Zeitpunkt das Alphabet, die lokalen Sprachen zu sprechen, zu Singen, Geschichten zu erzählen und den Namen und einfache Wörter zu schreiben.

Man ist aber auch in der Erwachsenenbildung aktiv, wo ebenfalls Lesen, Namen und einfache Wörter zu schreiben, erlernt werden können. Dem positiven Denken zugunsten einer Einheit und verbesserten Dorfgemeinschaft wird ein sehr hoher Stellenwert beigemessen.

Männer erhalten Ausbildungen in Bauhandwerk wie Fundament erstellen, Grundpfeiler und Mauern errichten, Gerüstebau und Eiseneinsatz etc. Singen, Tanzen, Geschichten erzählen, Feste feiern und die Kultur zu pflegen, erlernen die Jüngeren. "Kulturelle Veranstaltungen dienen auch der Motivation, das Dorfleben zu verbessern", bemerkte Bühler.

Hindernisse mussten bewältigt werden
In Paluru entstand erstmals ein Dorf mit Einwohnern verschiedener Religionszugehörigen wie Christen, Muslime und Hindus. Die Menschen wohnten vor dem Dorfbau auf Hügeln im Wald. Verschiedene Hindernisse gab es zu bewältigen, bevor der Baubeginn in Angriff genommen werden konnte.

Der Landbesitzer zog das Schenkungsangebot zurück, was einen Baustopp zur Folge hatte. Ein neuer Spender musste gesucht und der Bauplan musste den neuen Gegebenheiten angepasst werden. Es war die katholische Kirche, die schliesslich das Land zur Verfügung stellte. Der Bau konnte nun in Angriff genommen werden, wurde jedoch durch sintflutartige Regenfälle im Juni 2007 und durch Überschwemmungen im September gleichen Jahres behindert.

"Es ist höchst erstaunlich, dass die Bewohnerinnen und Bewohner den Mut nicht verloren haben, das Dorf weiter zu bauen", erklärte der Referent. Und dennoch: Am 6. Oktober 2007 wurde es eingeweiht und erhielt den neuen Namen Kundu Nagar. Ein schönes Dorfbild ist in beiden Dörfern entstanden. Weisse Steine dienen als Umrahmung der Strassen und Plätze, die Häuser wurden bunt bemalt und Pflanzen zieren nun die Gärtchen.

Die Arbeit wird  auf alle aufgeteilt
Traditionellerweise sind die Frauen für die Planzen und Bäume verantwortlich, schützen diese und versorgen sie mit Wasser. Sie erstellen auch Korbwaren, Produkte aus Wolle, weben Matten etc. Die Einwohner sammeln Feuerholz und fertigen Kohle daraus, die sie in anderen Dörfern verkaufen. Taglohnarbeit ist in der Landwirtschaft und im nahegelegenen Kanalbau möglich.

Auch in Gollapalli gab es Verzögerungen beim Bau. Hier hat man zwar von der lokalen Finanzbehörde Bauland erhalten und den Bau im August 2005 begonnen. Unterbrüche gab es wegen administrativen Problemen und Verzögerungen der Baumateriallieferungen. Im Sommer gab es zudem zu wenig Wasserreserven für den Bau. Die Fertigstellung per Ende 2006 wurde deshalb erst im Mai diesen Jahres in Angriff genommen.

Im Gegensatz zu anderen Dörfern in der Region, werden in Gollapalli Bodensteinplatten zum Bau verwendet und ersetzen den Einsatz von Backsteinen, wie sie in anderen Dörfern - wie auch in Paluru - verwendet werden. Die Bauarbeiten wurden durch Techniker überwacht, während die Familien sich mit ehrenamtlicher Arbeit am Bau zu beteiligen hatten. "Wer am meisten arbeitete, der durfte als erster das Haus aussuchen, in dem er leben möchte", so Bühler.

Wer arbeitet, der/die wählt aus
Die Dorfbewohnenden sind hier Hindus und feiern alle örtlichen Hindufeste wie Sriramanavami, Divali, Dasara, Vinayakachavithi oder Sankranthi ausgiebig. Die Organisation dieser Feste obliegt der einheimischen Jugend und den Schulkindern, die kulturelle Beiträge dafür erhalten.

Es sind insbesondere Taglöhner, die in der Landwirtschaft oder im nahen Steinbrüchen arbeiten und dafür 60 bis 100 Rupien im Tag (1.40 bis 2.30 Franken) erwirtschaften. Einige Familien besitzen kleinere Flächen an landwirtschaftlichem Land und halten Milchkühe, Schafe, Ziegen oder Landhühner.

Die Einweihung am 10. Oktober 2008 wurde mit farbigen Blumengirlanden, traditionellem Fusswaschen, Anbringen des roten Punktes auf der Stirn und Durchtrennung des Dorfeingangsbandes gefeiert. Nach indischer Tradition wurde der Einweihungsstein durch eine Opfergabe mit Kokosnüssen, Gebeten und Räucherstäbchen geweiht. Der Name des Dorfes lautet nun Sri Narasimha Puram.

Hohe Ehre wird Wilerin zuteil
Sehr eindrücklich war das Aufziehen der Fahnen von Wil und Gollapalli. Ansprachen von Regierungsvertretern, Lokalpolitikern und den vier Delegierten aus der Schweiz erfolgten, die von den Gästen mit grossem Interesse verfolgt wurden. Die Hauseinweihung wurde peinlichst genau durchgeführt, sollten doch keinerlei soziale Unterschiede entstehen, sondern jene Familien ihr Wunschhaus erhalten, die auch am meisten gearbeitet hatten.

Angela Pecora Schäppi hatte die Ehre, bei der Segnung des Hauses mit der Familie mit den meisten Arbeitsstunden beteiligt zu sein und durfte das Band zerschneiden. Beim anschliessenden Rundgang durch das Dorf wurde die Wiler Delegation in verschiedene Häuser gebeten und erfuhr so von der riesigen Freude über das neue Heim.

"Eine überwältigende Erfahrung", sei der Besuch gewesen, wurde man in beiden Dörfern doch als Freunde begrüsst. Man habe erzählt, dass man für die Unterstützung auch in Wil hart habe arbeiten müssen und nicht bloss reich sei und etwas davon abgegeben habe, was die Bevölkerung beeindruckt entgegen genommen habe.

Fazit der Gäste aus der Kerngruppe "Wil baut Gollapalli und Paluru": Der Einsatz hat sich mehr als gelohnt. Die Spenderinnen und Spender haben einigen Mitmenschen im fernen Südostindien die Möglichkeit geschaffen, im Sinne von Mahatma Gandhi gegen die bittere Armut anzukämpfen. Ein grosser Dank gebühre zudem all jenen, die sich an der Aktion in irgendeiner Weise beteiligt haben.


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