Einen Tag lang Mansfield im Kulturradio

01:01:2014

Hörtipp

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Jane Mansfield (Bild:WIKI)
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Mansfield mit John Middleton Murry

Am Donnerstag den 2. Januar Präsentiert Radio SRF2 Kultur einen Tag lang Ausschnitte aus dem Lebenswerk der neuseeländischen Autorin Katherine Mansfield. Von 9 bis 16 Uhr lesen Elke Heidenreich, Nina Hoss und Maren Eggert fast ununterbrochen Ausschnitte aus den Erzählungen der Autorin der Jahrhundertwende, die das gesellschaftliche Leben der Zwischenkriegszeit mit bemerkenswerter Hellsichtigkeit scharfzüngig zu erfassen vermochte.

 

Autorin

 

Denkmal für eine aussergewöhnliche Autorin

Radio SRF2 Kultur setzt mit den Lesungen einer aussergewöhnlichen Autorin ein Denkmal, die vor 125 Jahren als Tochter eines Bankers in Neuseeland zur Welt kam. Der goldene Käfig der verschlossenen, postkolonialen Gesellschaft war für Katherine Mansfield (1888 -1923) jedoch unerträglich. Deshalb floh sie schon mit 15 Jahren in die Metropole London, mit der sie ihr Leben lang verbunden blieb. In Ihrem kurzen Leben, das von einigen Schicksalsschlägen geprägt war, schrieb sie 72 Geschichten. Diese beschreiben meistens kurze Begegnungen von Menschen aus unterschiedlichen Standesverhältnissen. Analytisch und scharfzüngig schreibt sie, fern von Umschweifen und leeren Floskeln, über Gesellschaft, Politik und das Leben als Frau in ihrer Zeit.


Glück

Die Erzählreihe beginnt mit Ausschnitten aus der Kurzgeschichte „Glück“, die Mansfield berühmt gemacht haben. Sie zeigt, über die Seligkeit einer Dinner-Party von Bertha und Harry Young, sexuelle Verschiedenheiten auf und spiegelt ihr eigenes erblühen durch das hin- und herpendeln zwischen Geschlechtern wider.


Zwischenkriegszeit in Deutschland

1911 erschien Mansfields Erzählband „In einer deutschen Pension“ und die darin enthaltene Kurzgeschichte „Deutsche beim Fleisch“. Auf wenigen Seiten entlarvt sie die Farce des wilhelminischen Bürgertums, indem sie deutsche Pensionsgäste beim Tischgespräch mit einer englischen Besucherin als autoritätsgläubige Patriarchen und dümmliche Püppchen bloss stellt.

Ihr Aufenthalt in Deutschland veränderte Mansfields Leben jedoch auch in anderer Hinsicht massgeblich. Ihre Mutter hatte sie gedrängt, ihr uneheliches Kind fern der Londoner Gesellschaft zur Welt zu bringen, worauf Sie sich einige Zeit im Bayrischen Kurort Bad Wörishofen aufhielt und unglücklicherweise eine Fehlgeburt erlitt.  Sie lernte aber auch einen jungen polnischen Mann kennen, der ihr die Erzählungen von Anton Tschechow näher brachte - und sie mit Gonorrhöe infizierte. Die Krankheit, damals unheilbar, führte zur Tuberkulose und zu ihrem frühen Tod. Die Begegnungen mit dem Polen verarbeitete sie literarisch in ihrer Erzählung „Der Pendelschlag".


John Middleton Murry

Der wichtigste Mann ihn Mansfields Leben war jedoch der Schriftsteller John Middleton Murry, der wohl die Langmut in Person gewesen sein muss. Sie heirateten 1918 und blieben elf Jahre lang zusammen, in der er ihre Übellaunigkeit und Untreue mit Männern und Frauen erduldete.

Die Autorin wurde zu ihrer Zeit literarisch wenig geschätzt und harsch kritisiert. Ihre Werke sind dennoch bis heute ein wunderbar spannender Weg zum Verständnis des Gesellschaftslebens der Zwischenkriegszeit.


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